EURO Agentur

Internet-Magazin

Wir überfallen

Solange wir noch Hoffnung haben, ihn durch List frei zu bekommen, so lange soll kein Menschenleben beschädigt werden. Aber wir haben nur noch die Zeit von einer Nacht! Diese […] Mehr lesen

Mehr lesen

Königswürde August des

Die durch die Königswürde vergrößerten Geldbedürfnisse Augusts veranlaßten ihn zu mehren Veräußerungen von Landgebieten und Rechten, so verkaufte er die Erbvogtei über […] Mehr lesen

Mehr lesen

Vergnügungen des Hofes

Diese Unterhaltungen werden oft von unglücklichen Zufällen unterbrochen, von denen man in den Annalen des Reiches mehrere verzeichnet finden kann. Ich selbst habe gesehen, wie […] Mehr lesen

Mehr lesen
Dresden Waldschlösschenbrücke Weltkulturerbe USA Brücke Brücke Asien

Internet-Magazin für Tourismus, Service, Handwerk, Handel, Industrie...

Die schwarze Schlange von Dresden

Der Morgen an der Bertolt-Brecht-Allee

Es war einer dieser Wintertage, an denen die Sonne nicht wirklich scheint, sondern nur das Versprechen gibt, es vielleicht später zu tun. Ich hatte mich in den Großen Garten getrieben, auf der Suche nach einem Grund, nicht zu Hause zu sitzen. Die Bäume standen nackt, die Wege waren leer, der Teich eine graue, festgefrorene Fläche. Ich ging hinaus auf die Bertolt-Brecht-Allee, ohne Ziel, nur weil meine Füße den Weg kannten. Dann sah ich sie. Zuerst dachte ich an einen Bauzaun, der umgefallen war. Dann an eine Plane, die sich von einem Lastwagen gelöst hatte. Aber es bewegte sich. Eine schwarze, glänzende Masse, die sich über den Mittelstreifen wölbte und in eine Grube verschwand. Ich blieb stehen. Meine Hände in den Taschen, den Kragen hochgezogen, und starrte auf dieses Ding, das nicht hierher gehörte.

Die schwarze Schlange erwacht

Es war kein Technikdrachen Es war ein Rohr. Ein schwarzes, gewaltiges Rohr, das sich in weiter Linie über die Wiese zwischen dem Asphalt zu beiden Seiten legte, als hätte jemand die Innereien der Stadt nach außen gekehrt. Die Sonne brach durch die Wolken, und das Plastik begann zu glänzen. Es sah aus wie die Haut eines riesigen Tieres, das sich im Winter aus der Erde gewälzt hatte, um Luft zu holen. Ein paar Menschen standen bereits am Rand der Absperrung. Ein älterer Herr mit einer blauen Strickmütze, eine Frau mit einem Einkaufstasche, ein junger Mann mit einem Skateboard unter dem Arm. Niemand sprach. Wir starrten alle auf das schwarze Ding, das sich in der Kälte ausstreckte. Dann hörte ich ein Geräusch. Ein tiefes, surrendes Brummen, das aus der Grube kam, als würde die Erde selbst atmen.

Die Männer in den orangefarbenen Jacken

Sie arbeiteten mit einer Ruhe, die jeder Hektik widersprach. Ihre Jacken leuchteten in einem Orange, das selbst die Winterfarbe der Sonne übertraf. Einer von ihnen kniete vor der Öffnung eines alten, rostigen Rohres, das aus der Erde ragte wie ein versteinerter Ast. Er hielt ein Gerät in den Händen, das aussah wie eine Fernsteuerung, aber ohne Knöpfe, nur ein glattes, schwarzes Gehäuse. Ein anderer Mann stand am Ende der schwarzen Schlange, dort, wo sie in den Boden eintauchte. Er sprach in ein Funkgerät, das an seiner Brust hing. Seine Stimme wurde vom Wind zerrissen, aber ich hörte das Wort Close-fit. Es klang wie ein Zauberwort, wie etwas, das man nur flüstern durfte.

Ein Gespräch mit dem Techniker

Ich wagte mich näher an die Absperrung. Ein Arbeiter kam mir entgegen, seine Hände in dicken Handschuhen, sein Gesicht rot von der Kälte. Er blieb stehen, sah mich an. Ich fragte, ob das die neue Wasserleitung sei. Er nickte. Sechshundertfünfzig Meter, sagte er. Die längste, die wir mit diesem Verfahren gemacht haben. Er zeigte auf die schwarze Schlange. Das ist PE, Polyethylen. Die alte Leitung war aus Grauguss. Die war schon über hundert Jahre alt. Immer wieder gebrochen. Jetzt ziehen wir das neue Rohr in das alte. Wie eine Schlange, die ihre Haut wechselt, sagte ich. Er lachte. So kann man es auch nennen. Aber technisch heißt es Close-fit. Wir verformen das Rohr vorher, machen es kleiner. Dann ziehen wir es ein. Und dann, wenn es drin ist, lassen wir es wieder in seine Form zurückgehen. Das Plastik hat ein Gedächtnis, sagte ich. Er nickte. Genau. Ein Gedächtnis.

Die Kinder an der Absperrung

Ein kleiner Junge drängte sich zwischen mir und dem Absperrband durch. Seine Mutter zerrte ihn zurück, aber er ließ nicht locker. Ist das eine Schlange, fragte er. Seine Mutter sagte: Nein, das ist eine Wasserleitung. Der Junge starrte auf das schwarze, glänzende Plastik. Es sieht aus wie eine Schlange, sagte er. Sie ist schwarz und sie kriecht in den Boden. Die Mutter sah mich an, zuckte die Achseln. Ich lächelte. Vielleicht ist es eine, sagte ich. Eine, die Wasser trägt. Der Junge nickte ernst. Dann ist sie eine gute Schlange, sagte er. Er drehte sich um und lief zurück zu seiner Mutter. Ich blieb stehen und dachte an seine Worte. Eine gute Schlange.

Der Moment des Einzugs

Es war still geworden. Die Männer hörten auf zu sprechen. Einer von ihnen gab ein Zeichen. Das Gerät in seiner Hand summte, und die schwarze Schlange begann sich zu bewegen. Sie zog sich in die Grube zurück, langsam, fast zögerlich, als würde sie prüfen, ob der Weg frei war. Das Surren wurde lauter, das Rohr glitt in das alte Graugussrohr, und für einen Moment schien es, als würde die Zeit stillstehen. Dann war es verschwunden. Nur noch das Ende ragte aus der Erde, ein schwarzer, glatter Ring, der auf seine Verwandlung wartete. Ein Arbeiter drehte an einem Ventil. Dampf stieg aus dem Rohr auf, weiß und heiß. Der Plastik begann sich zu verändern. Es dehnte sich, presste sich gegen die Wände des alten Rohres, nahm die Form an, die es für immer behalten würde. Das Summen verstummte. Stille.

Die Stille unter der Erde

Ich ging den Weg zurück, an der Grube vorbei, an den Arbeitern, die jetzt ihre Geräte verstauten. Ein Mann zündete sich eine Zigarette an, atmete den Rauch tief ein, ließ ihn in der kalten Luft verschwinden. Ich dachte an die neue Leitung, die jetzt unter meinen Füßen lag. Sechshundertfünfzig Meter schwarzes Plastik, das sich an die alten Wände schmiegte, sich erinnerte, wie es sein sollte. Die Straße würde später wieder asphaltiert werden, die Gruben verschwinden, die Absperrungen abgebaut. Niemand würde mehr an die schwarze Schlange denken. Aber sie würde da sein, unter dem Asphalt, unter dem Frost, unter den Autos und den Füßen der Spaziergänger. Sie würde Wasser tragen, still und geduldig.

Ein Glas Wasser

Zuhause drehte ich den Wasserhahn auf. Das Wasser war klar, kalt, geschmacklos. Ich hielt das Glas unter den Strahl, füllte es bis zum Rand. Ich hob es an, sah durch das Glas auf die Lampe über dem Tisch. Nichts Besonderes. Nur Wasser. Aber ich wusste jetzt, woher es kam. Es kam von der Elbe, durch die Aufbereitung, durch Rohre, die unter der Stadt lagen, durch eine schwarze Schlange, die sich in die alte Haut aus Grauguss gelegt hatte. Ich trank. Das Wasser war kalt und klar. Ich schmeckte nichts. Aber ich spürte, wie es in mir hinunterlief, unsichtbar, selbstverständlich. So wie die Leitung unter der Straße.

Epilog: Was bleibt

Wochen später ging ich wieder die Bertolt-Brecht-Allee entlang. Die Gruben waren zugeschüttet, der Asphalt neu, die Absperrungen weg. Ein Radfahrer überholte mich, eine junge Frau mit einem Kinderwagen schob sich vorbei, ein Auto rollte vorbei, ohne anzuhalten. Niemand wusste, was unter ihren Füßen lag. Ich blieb stehen, schaute auf den Boden. Nichts. Keine Spur, kein Zeichen. Nur grauer Asphalt, grauer Himmel, grauer Winter. Aber ich wusste es. Und ich dachte an den Jungen, der nach der guten Schlange gefragt hatte. Sie war da. Sie würde immer da sein, still, erinnernd, trinkend.


Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für eine reibungslose Wasserversorgung in Dresden,
Ihr Untergrundabenteurer und Experte für unterirdische Infrastrukturverbesserungen.

uwR5

*Der geneigte Leser möge verzeihen, dass ich nicht genau benenne, unter welchem Asphalt die schwarze Schlange nun schläft, woraus die alten Rohre waren, die sie ersetzte, und ob die Arbeiter in ihren orangefarbenen Jacken wirklich so sprachen, wie ich es mir erinnere. Was die Jahre an Straßennamen, technischen Protokollen und den ein oder anderen, von der Geschichte verschluckten Wasserrohrbruch verwischten, will ich nicht neu aufspüren. Eine Wasserleitung, die still unter der Stadt herumgluckert, führt kein Tagebuch. Und sollte der eine oder andere Passant heute anders reagieren als damals, so sei dies der Winterkälte geschuldet, die bekanntermaßen nicht nur die Finger, sondern auch die Erinnerung erstarren lässt. Die Wahrheit dieser Geschichte liegt nicht im Wort, sondern im Gedächtnis des Plastiks, das sich als eine neue Haut anschmiegt. Und das hat funktioniert. Wirklich.

Quellenangaben:
Inspiriert von der verblüffenden Präzision des Close-fit-Verfahrens und dem faszinierten Staunen der Passanten über eine 650 Meter lange unterirdische Wasserleitung.
DREWAG: Trinkwasserversorgung in Dresden
Stadt Dresden: Erneuerung der Trinkwasserleitung Bertolt-Brecht-Allee
Ludwig Pfeiffer: Close-fit-Sanierung in Dresden
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

weiterlesen =>

Internet-Magazin für Informationen + Service

Sonnestrahl im Wald der

Wo gingst du hin? Ich weiß es leider nicht meine Freunde. Du gingst und bist wahrscheinlich doch geblieben wie die Bäume und Wiesenhügel im Sonnestrahl. Obzwar die Trauer im Wald gern mehr lesen >>>

Lied von der Liebsten

Ich will meine Seele tauchen in den Kelch der Lilie hinein. Die Lilie soll klingend hauchen ein Lied von der Liebsten mein. Das Lied soll schauern und beben Wie der Kuß von mehr lesen >>>

Irrtum Zwietracht Macht

So grimm und kühn, ist Irrtum nicht, ist Zwietracht nicht, - ist Macht. Ich bin die einige Macht, bin Lieb' und Haß mit einem Male, So einig wie Kastanienfrucht und mehr lesen >>>

Weißenfels-Geraer Eisenbahn

Das im Königreich Sachsen neuerlassene Postgesetz wurde auch für Sachsen-Altenburg publicirt, dessen Post von der Krone Sachsen mit verwaltet wird. Am 14. mehr lesen >>>

Schiffbrüchigen des

Seit zehn Jahren wohlbestallter Reporter des "New-York Herald", bereicherte Gedeon Spilett denselben durch seine Berichte und Zeichnungen, denn er mehr lesen >>>

Anti-FISA-Klausel wurde 2012

Angeblich hat die EU versucht, in die geplante neue EU-Datenschutzverordnung einen Schutzmechanismus vorzusehen, der eine mehr lesen >>>

Wortduell gegen andere

Merian schaute betreten zu Boden und schlug sich im Geist gegen den Hinterkopf. Warum hatte er sich gegen diese Unterstellung mehr lesen >>>

Er befand sich auf der

nach Persien; denn der Anadoli Kasi Askeri ist gekommen, um ihn und den Mutessarif von Mossul abzusetzen. Diese Kunde mehr lesen >>>

Mutter Erde

Mitternächtges Dunkel spinnt um die Welt ein heimlich Träumen; leise singt der Frühlingswind in den mehr lesen >>>

Residenzschloß Koburg

Trotz seiner Sparsamkeit wußte Herzog Ernst schöne Bauwerke und Anlagen zu schaffen; in Koburg mehr lesen >>>

Blaß wie Kreide, so still

Der Hans und die Grete tanzen herum, Und jauchzen vor lauter Freude. Der Peter steht so mehr lesen >>>

Venedig die Hafenstadt im

Venedig ist den meisten als Hafenstadt im Nordosten Italiens geläufig. Als mehr lesen >>>

Der Minutenzeiger des

Andreas sah auf die Uhr im Lehrerzimmer, die groß und auffällig mehr lesen >>>

Sehnsucht

Sechzehn Jahr alt ist die kleine Sittah, die Zigeunerin, mehr lesen >>>

Gesellschaften zum Betrieb

In den Jahren 1857 und 1858 erhielten mehre mehr lesen >>>

Stealth Wear gegen

Auch dagegen, dass das Handy mehr lesen >>>

Geheimnisse lüften, Mut

Eine Reise ins Unbekannte, mehr lesen >>>

Eine unvorhergesehene Reise

Ein Spaziergang mehr lesen >>>

Im besseren Land

Wenn mehr lesen >>>


Nutze die Zeit und beginne den Tag mit einem Lächeln.

Häftlinge entkommenen am Für den Fall, dass sämtliche fünf aus Richmond entkommenen Häftlinge an diesem Ort verbunden gewesen wären, sofern Einer von ihnen jetzt in keiner Weise gefehlt hätte, zusammen mit […]
Der Mann Madanas ist sein und darum hat sie den Befehl erhalten, dich zu bewachen. Wo sind die Männer eures Dorfes? Sie werden sich in der Gegend von Lizan befinden. Was thun sie dort? Ich weiß es nicht. […]
Dühnenweg Wir schreiten über den Dünenweg, als gält' es das Glück zu packen - die Zweige schlagen uns ins Gesicht, der Sturm sitzt uns im Nacken. Vorüber geht es am grünen Grund, am […]

Informationen und der Tag beginnt, der Nebel vergeht, die Sonne erscheint Ich kann ohne dich nicht leben

Ich kann ohne

Ich liebe dich mehr als alles andere auf der Welt. Also bring dich nicht um. Wenn man sich selbst als Individuum betrachtet, ist der Tod eines Tieres oder des Briefträgers ein Tod, aber er ist nicht […]

Informationen und der Tag beginnt, der Nebel vergeht, die Sonne erscheint Aber, ach, du

Aber, ach, du

allmächtiger Herr im Himmel, was wird die Schwester sagen! Was wird sie sagen? Er muß ja gekommen sein, – du mußt ihn verfehlt haben! Er sprang ans Fenster und starrte angestrengt hinaus, dem Zimmer den […]

Informationen und der Tag beginnt, der Nebel vergeht, die Sonne erscheint Sehnsucht und Mitgefühl

Sehnsucht und

Von Sehnsucht und von Mitgefühl erfüllt, Wird niemals dich mein Geist verlassen, Er würde dich auch nacht- und sturmumhüllt Mit liebender Gewalt umfassen. Und wärst du noch so fern von mir, Wenn dich ein […]