Er schwimmt in Blut
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Es war ein Abend wie aus dem Nichts. Der Himmel über dem Elbsandstein hatte sich zu einem tiefen, samtenen Blau gefärbt, als ich den letzten Anstieg zur Bastei hinter mich brachte. Die Luft roch nach kaltem Stein und feuchtem Moos – ein Geruch, der hier so vertraut war wie der eigene Atem.
Dann sah ich es. Ein Licht. Kein Stern, kein Flugzeug, kein Wanderer mit Taschenlampe. Es schwebte über dem Felsmassiv, regungslos, als hätte es die Zeit selbst angehalten. Ich blieb stehen, den Blick nach oben geheftet, und spürte, wie sich eine alte, vergessene Angst in meinem Nacken ausbreitete.
Die Legende war so alt wie die Steine selbst. Die alten Leute in den Dörfern flüsterten von einem Fluch, der über dem Gebirge liege – seit jener Nacht, als im Jahr 1623 ein heller Stern vom Himmel fiel und im Wald verschwand. Man sagte, wer das Licht sehe, würde nie mehr heimkehren. Oder doch? Manche kehrten zurück – aber sie waren nicht mehr dieselben.
Ich folgte dem Licht. Durch Wald und Schlucht, über Stein und Wurzel führte mein Weg. Die Nacht war kalt, aber meine Stirn glühte. Ich spürte es: Das Ufo wartete auf mich. Es hatte mich nicht zufällig gesehen. Es hatte mich gerufen.
Am Ende einer engen Felsspalte fand ich es. Kein Raumschiff aus Metall, keine blinkenden Lichter – sondern ein Tor. Ein Felsentor, das ich nie zuvor gesehen hatte. Und darauf, in unkenntlicher Schrift, ein Wort, das ich nicht lesen konnte.
Doch ich wusste, was es bedeutete: Wahn.
Ich trat ein. Die Dunkelheit war vollkommen – und doch spürte ich eine Bewegung. Etwas lebte hier, etwas, das älter war als der Stein, aus dem das Gebirge bestand. Eine Stimme, die nicht aus Lauten bestand, sondern aus Gedanken.
„Du bist nicht der Erste“, sagte sie. „Und du wirst nicht der Letzte sein. Sieh in den Stein – und erkenne den Fluch.“
Ich kniete nieder, berührte den kalten Fels. Und plötzlich sah ich es. Die Erde selbst erinnerte sich. Ein Traum, so alt wie die Welt: Wesen aus den Sternen, die hier landeten, um die Menschen zu beobachten – und die Menschen, die sie jagten. Eine Jagd durch die Zeit, durch die Jahre, durch die Ewigkeit.
Der Fluch war kein Zorn. Es war eine Schuld.
Da war noch jemand. Eine Silhouette, die aus dem Schatten trat. Ein Geist? Ein Mensch? Ich konnte es nicht sagen. Er trug einen grauen Mantel, sein Gesicht war vom Licht des Mondes entstellt.
„Du hast das Tor gefunden“, sagte er. Seine Stimme war wie das Rauschen des Windes über den Klippen. „Nun musst du die Wahrheit tragen – oder den Fluch weitergeben.“
Ich wollte fragen, was er meinte – aber da war es wieder. Das Licht. Es durchbrach den Fels, erhellte die Höhle, und ich sah: Der Geist war ich selbst. Nur älter. Nur müder. Nur stiller.
Ich wachte auf. Am Fuß der Bastei, mit dem ersten Morgenlicht im Gesicht. Die Sonnenstrahlen brannten warm auf meiner Haut. War es ein Traum gewesen? Ein Wahn? Ich blickte auf meine Hand. Sie zitterte. Und ich spürte etwas in meiner Tasche.
Ein Stein. Glatt, kalt, mit einer Inschrift, die ich nun lesen konnte:
„Die Wahrheit lebt im Stein. Sie wartet auf den, der still genug ist, sie zu hören.“
Ich habe den Stein behalten. Manche sagen, ich sei verrückt. Vielleicht stimmt das. Aber ich weiß jetzt: Der Fluch ist keine Strafe. Es ist eine Einladung. Eine Einladung, über den Rand der bekannten Welt hinauszublicken – und zu erkennen, dass wir nicht allein sind.
Nicht im All. Und nicht auf der Erde.
Mit einem geheimnisvollen Gruß aus dem Herzen des Elbsandsteins,
Ihr Chronist der verborgenen Welten und Hüter der uralten Steine.
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